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Niggeloose Köhl


Die Wisd=lle Niggeloose-Köhl

Lang devor, dass die "Hellowiin"-Welle aus de Nei Weld ( Ameriga) zu de Aal Weld (Europa) unn a noch Wisdål üwegeschwabbt is, hods en Wisdål die "Niggeloose-Köhl" gääwe.



Wås hods domed of sich?


Es Fest vom heuliche Niggeloos (vom heiligen Nikolaus) wird vo de katholisch Kirche om 6. Dezembe begange. Niggeloos (vermutlich 270 - 347 nach Christus) woar Bischof en Myra/Kleinasien, h=eit südliche Türgeu. Vo dem gütiche Hirt wern h=eit vill Legende und Wonne (Wunder) vezahlt, vor allem wird seu immerwährend, vor nîed seröckschreckend Helfsbereutschaft vürgehoowe. Er geld als de Patron vo de Schiffer, Kaufl=eit, Bäcker, Schüller un als grosse Freind vo de Kenn.

Seud em 16. Joahrhonnerd is es Brauch, dass de Niggeloos jedes Joahr emool en alle Hºeiser erscheunt. Scho domols is er om Vorowend vo seum Nomensdåch komme, so a en de hiesich Gechend. Er woar als Bischof vegl=dd un had en welle Gesell en schwoarze Gl=de debeu, de Knecht Rupprecht, der hod med de Wåkeede (Wagenkette) vill Lärme gemoahd.
De Niggeloos hod gefroochd, ob die Kenn bråv woarn. Die Kenn mussde e Gebääd uffsåche un e Lied vürsenge und de böse hod er proforma med de Ruude a poar henne druff gääwe. Dann hod er åwer doch die en de domolich Zeud noch begehrde Geschenke wie Äpfel, Blätzchen, Nöss un so Z=eich ved=ld.

Etz zu de Niggeloose-Köhl.

Om 5. Dezember, dem Dåch wu de Niggeloos komme is, hod me e schö gross Köhl (Runkelrübe) rausgesûed. Me hodd es öwer Viertel als Däggel ågeschniede und de Rest mem Messer ausgehöhld. Dann hod me Aache, Nåse und es Maul ausgestoche. Off e lang Bohnstange hod me e Bräädche un en Dorn montiert und die ausgehöhld Köhl druffgesteckt.

Enne neui hod me e Kerzche gesteckt und õgebråhñd.

Wanns dann donkel woar, seun die grössen Buuwe med derre Köhl durchs Doorf un honn se neui die Feñste gehåbbd, med de Keede gerasseld un vill Lärme gemoahd. Domed wollde se die glänne Kenn erschrecke. Seuid dem Niedergang vo de Bauereu (Landwirtschaft) a en de hiesich Gechend geds a kä Köhl me un de Brauch is sang- un klanglos ausgestorwe.



Diese Tradition wurde seit Menschengedenken hier gepflegt und ihr Ursprung ist nicht bekannt. Jedenfalls sollten nach den Vorstellungen der alten Germanen (Kelten) erleuchtete Kürbisköpfe - diese inzwischen als "Halloween" am Vorabend von Allerheiligen etabliert - und R ü b e n g e i s t e r die Dämonen der Finsternis abschrecken. Möglicherweise hängt der Usus mit dem "Bringen des Lichtes" in dunkler meist kalter Winternacht zusammen als Hinweis, dass die Tage bald wieder länger/heller werden und auf Christus als das "wahre Licht" (Joh.1,8f), um dessen Nachfolge sich der hl. Nikolaus in besonderer Weise bemühte. Das würde auf den 13. Dezember hindeuten, dem Tag der hl. Luzia (lat. Lux = Licht), der "Leuchtenden", die nunmehr in Gestalt eines weiß gekleideten Mädchens (Engel) eine brennende Kerzenkrone auf dem Haupt mit ihrem Besuch in sozialen Einrichtungen, wie Seniorenheimen, Krankenhäusern den Menschen Licht und Hoffnung vermittelt.

Der oben beschriebene Nikolaus wandelt sich immer mehr zum modernen Weihnachtsmann mit Rotrock, langer Zipfelmütze, breitem weißem Kleidersaum und vor allem kräftigen Stiefeln, der uns bereits den ganzen Advent über zu den verschiedensten Gelegenheiten wie in Vereinsfeiern, Christkindlesmärkten und vor allem in Kaufhäusern und der Werbung in den Medien begegnet.

Der Brauch der "Niggeloose-Köhl" wurde von Alfred Fleckenstein (geb. 1936) aus Wiesthal, im Jahr 1999 aufgeschrieben bevor er in Vergessenheit gerät, um ihn den kommenden Generationen zu erhalten und evtl. wieder aufleben zu lassen.

Beim Nikolausabend des örtlichen Gesangvereins "Sängerhort" am 10.12.1999 wurde von den Sangeskollegen Heinrich Keil (geb. 1927) und Anton Kunkel (geb. 1931) (beide Wiesthal) eine Niggeloose-Köhl angefertigt und der ehemalige Brauch demonstriert.

Da auch in Wiesthal leider immer weniger die Mundart gesprochen wird und diese, da sie nicht an die junge Generation weitervermittelt wird, zu verschwinden droht, hat Hella Englert (geb. 1940) aus Wiesthal versucht, so gut es geht diese Abhandlung in die Mundart zu übersetzen.

Leo Weismantel (1888 - 1964) aus Obersinn, einem Dorf der südlichen Rhön, schreibt 1927 in seiner Erzählung "Der Richter von Orb" u. a. von winterlichen Erzählabenden in den Stuben. Auf Seite 7 der 1. Auflage der Sonderausgabe 1979 schreibt er:

"In solchen Stunden geschah es zuweilen, dass etliche Mutwillige in den Keller stiegen, große Rüben holten und sie aushöhlten zu einem phantastischen Gesicht, Augen hineinschnitten und den Mund und Zähne und in die hohlen Rüben Lichter steckten und sie auf Stangen durch die Dörfer trugen, sie zu den Fenstern hineinschauen ließen zu den Bauern, die drinnen in der dunklen Stube um den Kienspan saßen. Dann krischen Kinder auf. Männer und Frauen, die Zeit ihres Lebens solches so oft schon gesehen hatten, selbst diese Alten schrien auf, bis ein junger, der nahe am Fenster saß, das Fenster aufriß, rasch und unerwartet, ehe die da draußen es merkten und den phantastischen Geisterkopf von der Stange riß und lachend in die Stube warf. Da erlosch das Licht und mitten auf dem Boden lag eine von der Hitze eines Lichtes verrunzelte, lächerliche Rübe."

Der Brauch war also auch mit anderem Hintergrund in anderen Dörfern bekannt.



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