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Faselsrad


Das Faselsrad
(Foaseltsroad)

In Wiesthal wird am Fasnachtsdienstag (Foaseltsdisdich) jeden Jahres nach Anbruch der Dunkelheit das Foaseltsroad vom Mühlberg herunter gelassen. Dieser Brauch ist seit Menschengedenken in Wiesthal üblich, sogar während des 2. Weltkrieges, trotz der Gefahr von Fliegerangriffen wurde der Brauch ausgeübt.

Am Faseltdienstag gingen Kinder und Jugendliche in der Früh von Haus zu Haus. Mit dem Ruf "Stroh raus"!, "Stroh raus"! erbaten sie von den Bauern ein Bündel Stroh. Das Stroh wurde an der Brücke zur Hockenruh gesammelt und von dort mit Wagen auf den Mühlberg zum sogenannten "Faseltsradacker" gebracht. Dort haben erwachsene Männer und Burschen ein Holzrad, durch dessen Nabe eine lange Fichtenstange gesteckt war, zwischen den Speichen mit dem gesammelten Stroh und Reisig fest ausgestopft.

Nachdem es dunkel geworden war, wurde zunächst mit dem restlichen Stroh ein großes Feuer angezündet und dann das Faseltsrad hineingerollt. Wenn dann das Rad richtig brannte, wurde es zunächst (bedingt durch die Geländeformation) von 6 - 7 kräftigen Männern an jeder Seite der Stange, begleitet von Fackeln die den Weg wiesen, mehr den Berg hinabgetragen als gerollt. Ab dem letzten Geländeabsatz jedoch (ca. 10 m oberhalb der Talsohle) ließen die Männer die Stange los und das Rad rollte hinab. Ideal war es, wenn das Rad geradeaus bis in den ca. 20 m entfernt vorbeifließenden Aubach rollte. Das hing vermutlich auch von der Sorgfalt ab, mit der das Rad gestopft wurde (evtl. Unwucht). Dort wurde es dann abgelöscht, um das Rad (Holzrad) wieder verwenden zu können (inzwischen wird ein Eisenrad verwendet).

Am Fuß des Mühlbergs versammelte sich die Bevölkerung, um diesen Brauch mitzuerleben. Die Musikkapelle spielte auf. Wenn das Rad oben aus dem Feuer kam, wurde das "Faseltsradlied" "Stand ich einst auf Berges Höhen" gespielt und von der Bevölkerung mitgesungen. Es ist ein schwermütiges Lied und handelt von einem stolzen Reitersmann und einem Mädchen, das seine Ehre verloren hat und sich wünscht, "seine Mutter hätte es als es klein war in ein Wasser hineingestürzt", um es vor dieser Schande zu bewahren. Anschließend gingen die Leute nach Hause oder je nach Wunsch in eine der Gastwirtschaften zum Faschingskehraus. Das Feuer am Mühlberg und die brennende Radspur den Berg hinab erlöschten langsam und die Faselt in Wiesthal war für dieses Jahr vorbei.

Der Text des sog. Faseltsradliedes "Stand ich einst auf Berges Höhen" lautet:
  1. Stand ich einst auf Berges Höhen, schaute hin und schaute her, sieh da kam ein stolzer Reiter geritten daher.


  2. Seine Sporen hört man rauschen, wie das Rauschen an dem Meer, so ein Reiter wär' mir lieber, als andre drei vier.


  3. Vor etlichen Jahren, als ich noch 'ne Jungfrau war,
    da führt man mich zum Tanze, mit gekräuseltem Haar.


  4. Ei was hab ich denn vom Tanzen, ei was hab ich denn davon, dass ich trage einen Mantel und darunter einen Sohn.


  5. Einen Sohn hab' ich geboren, für das deutsche Vaterland, meine Ehre hab ich verloren und dazu noch meinen Stand.


  6. Oh Mutter, liebste Mutter, hättest Du mich doch beschützt, hättest Du mich als ich klein war in ein Wasser hineingestürzt.


  7. Denn so wär' ich doch gestorben, als ein unschuldsvolles Blut, und so hätt' ich nicht erfahren, wie falsche Liebe tut.

Kann ein Leser dieser Zeilen Angaben zur Herkunft dieses Liedes machen?



Früher hatte man von einigen Plätzen noch freien Blick zur Schneise. Heute sind diese Lücken mit Wohnhäusern bebaut. Mit Duldung der Grundstückseigentümer kann man bis zum Aubach gehen und dem Schauspiel aus nächster Nähe zuschauen.

Auch die allerletzten Vorräte an "langem" Stroh (mit dem Rääf abgemäht) in den Scheunen waren, bedingt durch den Rückgang der Landwirtschaft, mittlerweile aufgebraucht. 1986 wurde auf einem Acker von Anton Kunkel, Hauptstr. 39, in der Haardt "Korn" (Roggen) angesät und im darauffolgenden Jahr mit dem Rääf in Handarbeit von älteren Mitbürgern, die diese Art der Ernte noch beherrschten, verbunden mit einem kleinen Fest dort, geerntet. Am Sportplatz wurde das Korn mit Dreschflegeln nach alter Art und Weise gedroschen. Dieser Vorrat reichte natürlich auch nur einige Jahre. Seitdem ließ Karl Kunkel, Wiesthaler Str. 25, Krommenthal, vor der Ernte mit dem Mähdrescher eine ausreichende Menge Korn (Roggen) per Hand für diesen Zweck abmähen. Für das Feuer kann man Strohballen verwenden, wie sie der Mähdrescher herstellt. Karl Kunkel ist leider im Jahr 1999 verstorben. Man muss sehen wie es weitergeht.

In der Faseltsradmannschaft lernten Ältere die Jüngeren an, so dass immer ausreichend Leute zur Verfügung standen. Heute scheint es auch hier Nachwuchsprobleme zu geben.

Dieser Brauch wurde und wird noch heute durch die Gemeinde getragen. Am Ende erhalten die Beteiligten ein Essen auf Kosten der Gemeinde.

Es ist nun interessant, etwas über das Alter und die Bedeutung dieses Brauches zu erforschen.

In der Stadtbbliothek Lohr a. Main - Sammlung Frankonia - fand ich ein Büchlein mit dem Titel "Aus dem Spessart - Kultur und Heimatbilder von Guido Hartmann", 2. Auflage 1911 (Verlag von Gebrüder Knauer, Frankfurt am Main) und 4. Auflage 1924 (Verlag Englert & Schlosser zu Frankfurt am Main).

In der 4. Auflage von 1924, Seite 30 - 32, fand ich folgende Schilderung:

"In dem Dorfe Neuhütten im Hochspessart bekunden malerische alte Häusergruppen den fest am Alten hängenden Sinn dieser Kernbauern; gläubige und zähe Art wurzelt in den Leuten. Ertragreiches Feld und die dadurch geförderte Viehzucht haben den Wohlstand und die Sesshaftigkeit der Gemeinde begünstigt. Das kernige Völklein wusste sich einen Brauch zu bewahren, der sonst nirgends mehr im Spessart auftaucht.

Am Faschingsdienstag in der Früh eilen Kinder von Haus zu Haus mit dem Ruf: "Stroh raus!" "Stroh raus!" Wenn ihr Vorrad an Strohbürden nicht groß genug erscheint, wiederholen sie ihren Sammelruf: "Stroh raus, es langt noch nit!" Dann verbringen sie ihre Lasten auf den höchsten freien Berg im Osten des Dorfes. Ein Teil der Garben wird um ein eisenbeschlagenes Rad gewickelt, das durch eine quer durchgeschobene Stange lenkbar ist. Über das Rad werden kunstvoll die übrigen Bürden geschichtet. Bei einbrechender Dunkelheit wird es auf der Höhe lebendig. Lichter tauchen auf und verschwinden. Plötzlich knistert eine sprühende, raketen­ähnliche Feuergarbe empor. Die Lichter scharen sich allmählich im Halbkreis um den Flammenherd, der aus dem Reisighaufen dringt. Die Dunkelheit senkt ihre Schatten tiefer. Da ertönen drei Schüsse aus der Ferne. Feuer fällt in das Strohrad. Und nun rollt die Flammensonne majestätisch zu Tal. Tanzende Irrlichter, funkelnde Sterne begleiten sie in neckischem Reigen. Das Feuerrad versinkt am Fuße des Berges, die zusammengeworfenen Fackeln haben sich in natürliche, brennende Reisigbesen schwingende Menschenkinder verwandelt. Mit hellen Kehlen stimmt der Geisterchor das alte Soldatenlied an: "Die Sonne steht im Westen." Die Menschengruppen, die das schöne und tiefsinnige Schauspiel schweigend und fast andächtig betrachtet haben, strömen zum Dorf zurück.

Eine Überlieferung deutet den Brauch dahin, dass das Feuer- oder Faselrad Menschen, Vieh und Flur im Umkreise vor verheerenden Blitzschlägen bewahren soll, soweit sein Licht sichtbar war. Als in den achtziger Jahres des vorigen Jahrhunderts die alte Gepflogenheit vernachlässigt worden war, wurde eine Frau auf dem Felde vom Blitze erschlagen. Daraufhin nahm die Gemeinde die geheiligte Überlieferung wieder auf.

Sicher ist jedoch das Feuerrad der sinnbildliche Gruß an die wiederkehrende Sonne, unter deren erlösendem Strahl die bösen Wintergewalten weichen müssen. Die Deutung des Brauches als Blitzsegen ist irrig, sie ist wohl erst in den letzten Jahrzehnten entstanden."


Weiterhin wird ausgeführt. dass in Stadtprozelten, Breitenbrunn und Mondfeld im Mainspessart drei Wochen vor Ostern der Winter in Form einer schwarzgekleideten Strohfigur begraben wird. In Faulbach ziehen am gleichen Tage die Kinder im Orte umher, um Stroh und Kleidungsstücke zur Erschaffung des Hejo und seiner Frau zu sammeln, Je nach Bedarf ertönt der Ruf: "Stroh raus!", "Hose raus!", "Stiefel raus!". Das Hejopaar wird nach einem Umzug am Main verbrannt.

Auch in diesen beiden Schilderungen ist das Verbrennen von Stroh zur Austreibung des Winters enthalten.



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