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Geschichte



Wiesthal und der Ortsteil Krommenthal entstanden aus Glasmachersiedlungen.

Unser Gemeindegebiet wird im Dokument über die Kirchenweihe zu Lohrhaupten von 1057 erstmals erwähnt, wo die Grenzbeschreibung lautet "...Super Laram, Wisun sursum ...", das bedeutet:
"... über die Lohr, unseren Wiesenbach, aufwärts ...".
Der Mainzer Kurfürst und Erzbischof holte Glasmacher(-Meister) - freie Königsleute (keine Leibeigene) - hauptsächlich aus rheinfränkischen Gefilden ins Land, die den Waldreichtum nutzten und aus deren "fliegenden Hütten" - d.h. sie zogen zum Glasmachen weiter, wenn das Holz verbraucht war - sich auf westlicher bzw. südlicher Seite des Aubachs die Orte Wiesthal und Krommenthal entwickelten.
Direkt am östlichen Aubachufer gegenüber entstand der Weiler "Wiesthal auf der Ruhe".

Etwa um 1000 bildete sich die Grafschaft Rieneck als Mainzer Lehen. Unsere Gegend lag nun im Spannungsfeld der Interessensgebiete des Erzstifts Mainz und der Grafschaft Rieneck, die beide vom begehrten "Kuchen Spessart" möglichst viel abschneiden wollten und von 1260 bis 1271 sogar militärisch gegeneinander kämpften. Im Jahre 1333 kommen der Forschung nach der östliche Teil von Wiesthal zu Rieneck und der westliche mit Krommenthal endgültig an Mainz. Der Aubach und der Lohrbach bildeten die Staatsgrenze und der Weiler "Ruhe" mit maximal 4 Anwesen, später "Hockenruhe" genannt, kam daher zur Gemeinde Frammersbach bis zur Eingemeindung im Jahre 1884. Anno 1559 erlosch die männliche Rienecker Linie und Frammersbach mit der Hockenruhe fielen an Mainz zurück.

Im Jahre 1325 verkauft Ludwig d. J. von Rieneck u.a. den Hof "Wysinthau" an das Kollegiatstift
Aschaffenburg. Damit wird die Urzelle von Wiesthal (mit seinerzeitiger Schreibweise Wysinthau = Wisentau-Wisental) erstmals in einer Urkunde genannt. Ob der Hof westlich oder östlich lag, lässt sich derzeit nicht feststellen. Da er aber mit anderen Rienecker Siedlungen veräußert wird, ist man leicht geneigt eine Lage "auf der Ruhe" anzunehmen, aber sicher ist das nicht.

1335/45 erhalten Sifrid von Lohr und sein Sohn Sitzo als Würzburger Lehen zwei Teile des Zehnts
u.a. in "Wisental". Nun, wo ein Zehnt erhoben wird, da ist schon "etwas zu holen".

1346 wird von Würzburg ein Zoll in "Wisental" vergeben. Der Zoll wurde vermutlich am Bach-
übergang zur rieneckischen "Ruhe" erhoben, weil es von da gerade mal 3 km bis zur Kauffahrteistraße Lohr - Kreuzkapelle - Knotenpunkt Wiesen sind, wo Glaserzeugnisse und Wildpret zu den Absatzmärkten bzw. Auftraggebern im Westen gebracht werden konnten und wurden.

Bis 1477 waren die Ansiedlungen so weit herangewachsen, daß der Mainzer Landesherr
am 11. Januar die Pfarrei Wiesthal errichtete, in deren Kirchspiel auch die umliegenden Orte
einschließlich der Jagdfrönersiedlung Rothenbuch, die Sitz der Verwaltung war, einbezogen wurden.
Die Pfarreigründung direkt an der Grenze und an der Strecke Rieneck - Mainz gelegen stellte ein Bollwerk gegenüber Rieneck dar und hat sicherlich die zuerst nicht gewollte Ansiedlung begünstigt.

Krommenthal wurde 1518 als Glashütte erstmals erwähnt.

Das konjunkturelle Hoch des 16. Jahrhunderts brachte unserer Gemeinde Wohlstand durch Glasproduktion und -Handel. Wiesthal war mit Abstand größte Gemeinde und wirtschaftlicher Mittelpunkt in der Pfarrei bis zum 30jährigen Krieg. Doch die Glasmacher beteiligten sich 1525 am Bauernaufstand, wonach das Glasmachen u.a. für Wiesthal verboten wurde. Wiesthal wird nun nicht mehr als Glashütte bezeichnet, aber Krommenthal erhielt später zeitweise wieder die Lizenz.

Die Bewohner mussten sich nun immer mehr von dem für Ackerbau nicht besonders geeigneten
Sandstein-Verwitterungsboden ernähren und dies vor allem seit der Abschaffung der privaten Glashütten alten Stils zwischen 1719 und 1726.

Es gab, ähnlich wie in anderen Waldgegenden Deutschlands, besonders zu Kriegszeiten und bei Naturkatastrophen (lang anhaltender Regen, desgleichen Hitze, Tierseuchen, Pflanzenkrankheiten, Epidemien) gewisse Notjahre, die manchen zur Auswanderung nach Ungarn und in die USA bewogen. Wenn die Verhältnisse oft karg, wie etwa auch für die Mehrzahl der Stadtbewohner, waren, so darf man davon ausgehen, dass auf dem Dorfe "noch niemand verhungert ist".

1854 läutete die Inbetriebnahme der Eisenbahnlinie Würzburg - Aschaffenburg/Frankfurt,
nach König Ludwig I von Bayern "Ludwigs-Westbahn" genannt, die neue Zeit mit der Wende zum Besseren ein und Wiesthal erhielt 1890 seine Haltestelle.
Nun konnten zuvorderst die Männer mit weniger Grundbesitz im südhessischen Ballungsraum
Arbeit finden und "gutes bares Geld", dazu späteren Rentenanspruch erwerben.

Die Bauerfahrung Wiesthaler/Krommenthaler Arbeiter im Frankfurter Raum kam auch der Gemeinde zustatten; denn bereits 1904 wurde die zentrale Wiesthaler Wasserversorgung in Betrieb genommen.

Im Jahre 1972 wurde die 2 km südöstlich gelegene Gemeinde Krommenthal eingegliedert.

Bis zur Gebietsreform zuletzt dem Landkreis Lohr zugehörig zählt Wiesthal mit rund 1450 Einwohnern heute zum Kreis Main-Spessart im Freistaat Bayern.

Inzwischen hat sich Wiesthal zu einem Arbeitnehmerdorf gewandelt, das örtlich rund 300 Arbeitsplätze und 50 Gästebetten bietet und wohin die Pendler aus Lohr und dem Raum Aschaffenburg/ Frankfurt täglich, die weiter auswärts Beschäftigten am Wochenende gerne zurückkommen.

Sie kehren zurück zu ihrem Wohnort, in ihre Heimat, deren größte Schätze sich in einer gesunden Umwelt präsentieren mit guter Luft, sauberem Wasser in ausreichender Menge und viel Gemeinde- (226 ha), Privat- (105 ha) sowie Staatswald, in dem und mit dem die Besiedlung begonnen hat.

Literaturhinweise - zu den Zahlen 1325 - 1346: Ruf, Th., Die Grafen von Rieneck Band I, Würzburg 1984
- zur Aussage des "Glasmacherreichtums" und der wirtschaftlichen Bedeutung:
Kulturrundweg Wiesthal-Habichsthal Tafel 1 sowie
Staatsarchiv Würzburg Türkensteuerregister 1551 (MzRegArch Mil K 240) und
Musterungsliste 1560 (MzRegArch Mil K 217/7).

"Der Spessart wird seit dem Mittelalter in eine Schublade (Wald, Armut, Räuber) gesteckt, in die er zu
unrecht gehört. Passender wäre Rohstofflieferant, Produktionsstandort und Verkehrslandschaft."
(Dr. Gerrit Himmelsbach, Archäölogisches Spessart-Projekt, Aschaffenburg)

Michelangelo (1475 - 1564): "Frieden findet man nur in den Wäldern."


Dieser Artikel wurde uns von Herrn Alfred Fleckenstein zur Verfügung gestellt.


Wiesthaler Glasmacherkirche

Wiesthaler Glasmacherkirche und Glockenturmund Glockenturm

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