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Partnerschaft mit Varoslöd


Waschludt*
von Josef Oswald

Ein kleines Dorf im malerischen Buchenwald/Bakony im Tal des Torna-Baches, von bewaldeten Hügeln umringt, feiert seinen 750. Jahrestag: Waschludt/Városlõd, Komitat Wesprim/Veszprém.

Im Hotter der Gemeinde sind noch Spuren aus der Römerzeit und Awarengräber gefunden worden, aber die alten Urkunden erwähnen die Siedlung Leveld zum erstenmal im Jahre 1240. Die Bewohner des Ortes waren Waldhüter, denn der Buchenwald gehörte zum königlichen Jagdgebiet.

Kloster und Kodex
Um 1350 gründete Ludwig der Große in Leveld für die Kartäuser ein Kloster, und die Siedlung kam in den Besitz der Kartäusermönche. Gleichzeitig wurde sie zum Marktflecken erhoben. Darauf weist heute noch das Prädikat "Város" (Stadt) hin. Zum Bau des Klosters verwendete man auch Steine jener Burg (Hölgykõ), die an der rechten Seite der nach Böhmischhütten/Csehbánya führenden Straße stand und den Kartäusern zum Abriß überlassen wurde. Die Kartäuser führten eine strenge Lebensweise. Mit dem Schreiben und Abschreiben von Büchern und Schriften schufen sie Bleibendes. Am 23. November 1527 schrieb und vollendete der Namenlose Kartäuser den "Érdy-Kodex".

Am 25. Januar 1480 besuchte König Matthias zusammen mit Königin Beatrix und dem Gesandten des Papstes Johann von Aragon das Kloster. Im Jahre 1554 wurden Dorf und Kloster von den Türken zerstört. Zwischen 1588 und 1636 fand die Gemeinde nirgends Erwähnung, sie war wahrscheinlich entvölkert.

Bayern und Franken
Anfang des 18. Jahrhunderts wurden im Buchenwald Glashütten gegründet, die erste 1715 in Waschludt-Pille (südlich des ehemaligen Klosters). Die aus Bayern stammenden Glasmacher stellten weißes Hohlgas und kleine Fensterscheiben her. Nördlich des ehemaligen Kartäuser-Klosters siedelte der Bischof von Wesprim Franken aus dem Gebiet des Kurfüstentums Mainz an. Waschludt und Pille wurden nach der Einstellung des Hüttenbetriebes zusammengelegt. Im Jahre 1735 hatte Waschludt bereits eine Schule, ab 1730 einen Pfarrer. Auf den Ruinen des Klosters wurde von 1747-1750 die heutige barocke Pfarrkirche gebaut. Das 19. Jahrhundert ist in der Geschichte des Dorfes eine Zeit der schnellen Entwicklung.

Um 1830 gründeten Karl und Wenczel Stingl die Steingutfabrik. Die 50-60 Arbeiter und 12-13 Maler fertigten außer Eßgeschirr Kulatsch, Vasen, Blumentöpfe und Krüge an. Die Produkte der Fabrik hatten großen Erfolg bei der Millenniums-Ausstellung in Budapest und erhielten auch Goldmedaillen bei den Weltausstellungen in Paris und London. Außer der Steingutfabrik existierten vier Zünfte, es gab eine Brauerei, ein Sägewerk und zwei Mühlen (1836). Im Jahre 1872 wurde die durch Waschludt führende Eisenbahnstrecke Budapest-Steinamanger-Graz eröffnet. Seit 1895 gibt es in der Gemeinde einen Kindergarten. Um 1900 gründete Samuel Boskovics eine Pfeifenfabrik, die 1944 stillgelegt wurde.

Kulturgruppe und Museum
Am 23. März 1945 fielen 43 Dorfbewohner, 12 auswärtige Zivilisten und zahlreiche hier stationierte deutsche Soldaten einer Bombardierung zum Opfer. Der Krieg endete in Waschludt am 25. März 1945. Zwischen 1946 und 1948 wurden 452 Personen nach Deutschland ausgewiesen und 36 Familien obdachlos. Anstelle dieser Ungarndeutschen wurden aus ungarischen und slowakischen Dörfern 522 Personen angesiedelt.

Seit Anfang der 50er Jahre hat sich das Dorfbild gewandelt. Erneuert oder neu erbaut wurden die Gebäude, die als Grundlage der gesundheitlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Versorgung dienen. Statt der alten, oft ungesunden Häuser wurden neue gebaut, und es entstanden neue Straßen. Die Industriebetriebe der Umgebung beschäftigen immer mehr Waschludter Bewohner, weshalb es viele Pendler gibt. 1964 wurde das Kulturhaus eröffnet. (Das erste wurde 1945 bei der Bombardierung zerstört.) Seit 1969 hat das Dorf eine zentrale Wasserversorgung. In der 1901 gebauten und mehrmals erweiterten Schule folgt der Unterricht heute in 9 Klassenzimmern. Seit den 60er Jahren können die Kinder in ein paar Wochenstunden auch die deutsche Sprache lernen.

Um die deutschen Lied Tänze zu pflegen, wurde 1964 die Volkstanzgruppe (unter Leitung des Ehepaars Zágon) gegründet. Seine Neugründung erlebte der gemischte Chor (Leiter Ludwig Tóvári). Beide Gruppen haben in den vergangenen 25 Jahren schöne Erfolge erzielt. Nach langen Vorbereitungen haben wir 1988 in einem alten Bauernhaus das Deutsche Nationalitäten- Museum eröffnet. Der Motor der Arbeit war Schuldirektor Koppányi, Forscher der Geschichte Waschludts. Das Museum ist mit Möbeln eingerichtet, die man am Anfang des 20. Jahrhunderts nutzte. In einem Zimmer sind die wunderschönen Waschludter Volkstrachten zu bewundern. Es ist schade, daß solche Kleider nie getragen werden. In der anderen Wohnung des Museums soll Fachzirkel wirken, der ähnliche Gegenstände produziert wie die ehemalige Keramikfabrik.

Die Waschludter sangen oft über das Aubachtal. Über das Tal, aus dem die Vorfahren der hier lebenden Menschen am Anfang des 18. Jahrhunderts angesiedelt wurden. Aber wo das Aubachtal liegt, wußte in Waschludt kein Mensch mehr. Michael Roth begann mit der Forschung und kam bis Wiesthal. 1983 konnten sich die Bewohner der beiden Orte im Rahmen eines Kulturaustausches treffen. Das Ergebnis: Freundschaft auf den ersten Blick. Zu offiziellen Austauschreisen kam es noch in den Jahren 1986-87, aber viele Familien reisten inzwischen auch schon privat. Um auch die Jugend einzuschalten, verbrachten 34 Waschludter Schüler im Sommer 1989 zehn schöne Tage im Spessart. Die Kinder kehrten mit unvergeßlichen Erlebnissen zurück. 1990 waren wir die Gastgeber, die Pfingstferien verbrachten wir zusammen hier in Ungarn. Im November 1989 empfing Waschludt eine Delegation aus Wiesthal unter Leitung des Bürgermeisters Erwin Mineif, um die Möglichkeiten einer Partnerschaft zu besprechen. Waschludt ist mindestens 750 Jahre alt. Den Geburtstag wollen wir mit einer Festwoche begehen. Auf dem Programm stehen Ausstellungen, Vorführungen, Gottesdienst, Kulturprogramme und ein Festzug. Auf diese Woche (28.07-5.8.) warten alle Menschen, die in Waschludt geboren sind oder einmal hier gewohnt haben; wir erwarten unsere Freunde, die mit uns feiern wollen - vor allem aus Wiesthal, um die Partnerschaft auch offiziell zu besiegeln.


**Freundschaft auf den ersten Blick, in: Deutscher Kalender, Budapest, 1991, S. 72-74



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